Inspirationen

Kreativ-kontemplative Blumenphotographie – Meine sieben persönlichen Tipps für schönere Blumenphotos

Ist es nicht langweilig, immer wieder Blumen zu photographieren? Ist es nicht zu banal, gar kitschig, Aufnahmen von einer schönen Rose zu machen? Sind Blumen in echt nicht viel schöner als auf jedem Photo?

Portrait d'une rose

Ja, all das kann stimmen, wenn man Blumen unbedacht knipst oder auch versucht, klassische Blumenbilder (der perfekte üppige Strauß in einer schönen Vase…) nachzustellen und dabei einfach nur klischeehafte langweilige Bilder erzeugt.

Die Blumenphotographie kann aber auch ganz anders sein: kontemplativ, kreativ und sinnlich. Sie eröffnet Möglichkeiten, ganz bewusst zu sehen und sich auf ein wundervoll vielfältiges Spiel mit Formen, Farben und Texturen einzulassen.

Blütentanz

Hier sind meine sieben persönlichen Tipps für eine kontemplativ-kreative Blumenphotographie:

1. Lass dir Zeit! Betrachte deine Blumen ganz genau. Was ist daran das Besondere? Die Farben? Die Texturen? Die Form der Blätter? Wenn du einen ganzen Strauß vor dir stehen hast, dann versuche ihn aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und trau dich auch, ihn auseinanderzunehmen und nur einzelne Blumen daraus zu photographieren.

Blumenkonfetti square S klein

2. Gehe näher ran! Natürlich kann es auch toll aussehen den ganzen Strauß zu photographieren, aber meist ist es viel spannender, beim Photographieren förmlich in die Blüte hineinzukriechen. Dieses Gefühl habe ich, wenn ich photographiere und immer näher herangehe, immer wieder die Perspektive wechsle,  die Blumen ein wenig anders hinlege, um die für mich stimmige Komposition zu finden. Schön ist es, dafür ein Makroobjektiv zu haben (ich benutze am liebsten mein 60mm Objektiv), aber sogar mit einer Smartphonekamera sind schon gute Ergebnisse möglich.

Zarte Verflechtungen

3. Warte bis die Blumen verwelkt sind! Manche Blumen sind erst kurz vor dem Verwelken richtig schön. Sie haben dann einen leicht morbiden Charme und es ist äußerst reizvoll, die Schönheit des Vergänglichen einzufangen. Wenn du also besondere Blumen im Haus hast, dann gib ihnen Zeit zu welken, beobachte sie während dieses Prozesses und mache immer wieder Bilder in den verschiedenen Stadien der Veränderung.

De tout près

4. Gestalte interessante Kompositionen! Manche Blumen sind einfach am schönsten, wenn man sie auf einen weißen einfachen Untergrund legt, beziehungsweise so photographiert, dass einfach eine weiße neutrale Wand durch die Blütenblätter zu erahnen ist. Es lohnt sich aber, auch verschieden Hinter- und Untergründe auszuprobieren. Alte Bücher, eine schöne verwitterte Tischplatte oder wie in diesem Bild unten eine wundervolle alte Tabakdose können eine tolle Ergänzung zu den Farben und Texturen der Blumen bilden. Probiere einfach verschiedene Varianten aus – lass dich auf ein kreatives Spiel ein!

The Colours of the past

5.  Mach es nicht zu scharf! Bilder, in denen alles perfekt scharf abgebildet ist, sind langweilig. Sie zeigen zu viel und lassen der Phantasie keinen Raum. Andeutungen sind (genauso, wie zu viel nackte Haut auf einem Photo oft wenig reizvoll ist) viel spannender. Richte deinen Fokus auf einen bestimmten Punkt und lasse den Rest verschwimmen. Dazu musst du (wenn du an deiner Kamera die Blenden verändern kannst) eine weit geöffnete, große Blende einstellen. Diese hat (genau umgekehrt) eine kleine Blendenzahl (z.B.f 2,8). Willst du mehr sichtbar machen, dann wähle eine kleinere Blende, somit eine größere Blendenzahl. Durch dieses Spiel mit Schärfe und Unschärfe kannst du viel gestalten und schöne Effekte erzeugen.

Little Red Spot

6. Atme weiter! Wenn man konzentriert Blumen photographiert und vor allem ohne Stativ Makros aufnehmen will (was ich am liebsten mache), dann neigt man dazu den Atem anzuhalten. Erinnere dich daher daran, bewusst ein- und auszuatmen. Gehe auch mal einen Schritt zurück, richte dich auf und nimm eine entspannte Haltung ein. Lass deinen Atem und deine Bewegungen fließen, photographiere ohne zu viel nachzudenken, kontrolliere deine Bilder am besten nicht ständig auf dem Display. Wenn du einfach ganz im Moment bist und dich vollkommen auf das Sehen und Photographieren einlässt, wirst du in einen Art Flowzustand kommen und dann entstehen oft die besten Bilder.

Zarte Blüte

7. Photographiere nur für dich! Photographiere nur das, was wirklich dein Herz berührt und versuche nicht irgendeinem Trend zu folgen! Sei nicht ungeduldig mit dir, wenn die Bilder nicht sofort so werden, wie du dir es wünschen würdest. Genieße das Photographieren und freu dich, wenn ein zwei schöne Bilder dabei entstehen, falls nicht, hast du dieses Mal zumindest so aufmerksam wie sonst wahrscheinlich nie, deine Blumen betrachtet und dich an ihnen erfreut!