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Lichtblicke

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„There is a crack, a crack in everything
That’s how the light gets in.“

– Leonard Cohen

Es gibt Momente, in denen ich das Gefühl habe, mein Leben würde nur aus lauter Rissen und Brüchen bestehen. Alles ist so chaotisch, improvisiert, kaputt und irgendwie zusammengeschustert. Da überfordert mich alles, ist alles zu laut und zu anstrengend. Und dann plötzlich ist da wieder Licht, das durch diese Risse scheint – z.B. Freunde, die nicht werten, sondern mich wirklich sehen und mit mir den chaotischen Alltag leben. Wir kochen uns gemeinsam ein gutes Abendessen, trinken Wein oder Wasser, reden und lachen gemeinsam. Das Schwere weicht und Leichtigkeit strömt in mein Leben hinein.

Es gibt Momente, in denen ich mich völlig uninspiriert fühle und denke, ich müsste alles anders machen. Mehr machen, es besser machen. Dann versuche ich, etwas zu erzwingen, photographiere etwas, das mir nichts bedeutet, bin unzufrieden. Schließlich gehe ich durch den schweren Vorhang, der den Hinter- vom Vorderraum des Ateliers trennt und koche mir enttäuscht erst einmal eine Tasse Tee. Doch beim Zurückgehen sehe ich, wie das Licht sich durch den Vorhangstoff drängt, durch den zerfurchten Fliesenboden kriecht, sich kleine hell leuchtende Lichtdreiecke bilden und ich bin plötzlich vollkommen wach. Ich nehme mir die Kamera, knie mich auf den Boden und mache aus allen Ecken Photos vom Licht. Es spielt mit mir, zeigt sich immer wieder anders und ist ganz spannend und neu, obwohl ich sicher schon sehr oft diese Lichtsituation im Atelier vorgefunden habe. Doch erst heute, durch den ganzen Ärger und meine persönliche Wahrnehmung erscheint mir dieses Lichtspiel fast wie eine Offenbarung.

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Wie die Lotusblüte den Schlamm braucht, um wachsen zu können, so brauchen wir den Schatten, die Dunkelheit, das Unperfekte, das Gebrochene, um die Schönheit und das Gute in unserem Leben wahrnehmen und wertschätzen zu können. Nur wenn etwas zu Ende geht, kann etwas Neues entstehen und nur da, wo auch Dunkelheit ist, leuchtet das Licht. Die Photographie kann uns helfen, dies bewusster wahrzunehmen, denn sie ist im Wesentlichen ein Spiel mit Licht und Schatten.

Im März finden zwei Workshops statt, die dazu einladen, den Blick zu weiten und mit der Photographie zu spielen. Für den PhotoPlay-Workshop (den ich aus den Erfahrungen der letzten Workshops etwas überarbeitet habe) am 11.03.2017 und das PhotoZen-Wochenende* am 25. und 26.03.2017 sind noch wenige Plätze frei.